Die Autos (I): Ferrari Dino

Keil oder Kunstwerk

Der Namenspatron des Thrillers kann beides sein, Skulptur auf Rädern oder Türkeil. Unterschiedlicher kann die Designlinie zwischen einem Sportwagen und seinem Nachfolgemodell kaum ausfallen! Der Ferrari Dino 246 GT mit seiner geschwungenen Linie ist ein typisches Kind der Sechziger Jahre. Nicht nur diejenigen, die einen haben, halten den Dino 246 für den schönsten Ferrari. Über den Nachfolger sagt das niemand. Der eckige 208 bzw. 308 GT 4 ist schon ein echter Vertreter der Siebziger. Ein wenig aus den Fugen gerät die Form auch wegen Ferraris Anspruch, es der Dame des Hauses recht zu machen: die Brut zur Schule zu bringen und trotzdem gleich die Tennistasche mitzunehmen. Die zweite und letzte Baureihe, auf der keine Ferrari-Logos zu sehen sind, war als so genannter 2+2-Sitzer ausgelegt.
Wie anders ist da sein Vorgänger, der 206 GT bzw. 246 GT. Emotion pur verteilt auf vier Räder und sechs Zylinder. »Dino« taufte Enzo Ferrari die kleine Baureihe in Gedenken an seinen Sohn Alfredo, den alle nur Dino nannten. Er starb im Alter von nur 24 Jahren an einer seltenen Muskelerkrankung. Übrigens endete mit dem Dino die komplizierte Herleitung der Typenbezeichnungen. Ein Ferrari 275 aus frühen Sechzigern wurde benannt nach dem Hubraum eines einzelnen Zylinders, in diesem Fall 275 ccm. Um den Gesamthubraum zu ermitteln, musste man auf jeden Fall die Gesamtzylinderzahl kennen. Beim Dino ist das einfacher: 20 bedeutet 2.0 Liter Hubraum, die 6 steht für die Zylinderzahl.
Der erstgeborene Dino stammt aus der Feder von Ferrari-Hausschneider Pininfarina, das Folgemodell wurde von Bertones Chefdesigner Marcello Gandini gestaltet. Schaut man sich dessen Gesamtwerk an, dann ging irgendwie alles zwischen Genie und Wahnsinn. War der Lamborghini Miura zum Niederknien, so verbesserte jeder Parkrempler das Design eines Maserati Quattroporte aus den Achtzigern erheblich. Der 308er liegt irgendwo dazwischen.
Für Fritz Graber ist die Entscheidung klar. Der Dino 246 GT muss es sein. Er folgt dem wundervollen Konzept von geringem Gewicht, einem vergleichsweise kleinen Sechszylinder, in diesem Fall quer vor der Hinterachse eingebaut. Genau das, was Porsche betrieb, bevor sie aus dem Elfer einen Möbelwagen machten. Und dann auf dem Beifahrersitz eine Frau im Jeansoverall mit Reißverschluss, mit der man Nächte lang über Politik diskutieren kann. Hach, die Sechziger!

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